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eher ein ganzerl

das grösste lokal am karmelitermarkt wurde ganz neu. ein dornröschenkuss

kathi groh ist vierfache mutter, gestaltete textilkollektionen, hatte ein fotolabor, jobbte beim motto-catering und übernahm vorigen mai ein lokal, das man in seinem damaligen zustand nicht geschenkt haben wollte: das marktachterl am karmelitermarkt. eine grindhütte sonder-gleichen, in den 60er-jahren aus drei standeln zusammengeschustert, an markttagen schon um halb drei offen, die putzfrau sei schon ein paarmal recht entsetzt gewesen, was da wegzuräumen war, erzählt kathi groh.

bis dezember führte sie das lokal unverändert, nicht zuletzt, um ein verständnis dafür zu entwickeln. dann machte sie für ein paar wochen zu und baute um. ihre tochter nikola sorgte gemeinsam mit architekten fürs neue marktachterl, das eigentlich das alte marktachterl ist, „mit dem charme, aber ohne den grind". das heisst, die alten 60er-verschalungen wurden renoviert, die lamperie mit edlen lacken von farrow & ball gestrichen, die fenster mit einem völligaufklappmechanismus versehen, eine grosszügige sichtbetonbar und lässige designerklos mit erotischer deckengestaltung installiert. für ein marktlokal ist es jedenfalls riesig, die struktur der ursprünglichen marktstandeln wurde beibehalten, was für völlig unterschiedliche atmosphären sorgt - super!

bei der speisekarte versuchen kathi groh und ihre küchenchefin gerda kleinszig einen spagat zwischen marktachterl - tradition - also so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, in bröselpanier - und einer zeitgemässen marktküche. saure wurst, zum beispiel, mit etwas süsser marinade und bergen von zwiebeln einigermassen auf der authentischen seite zuhause (€ 3,80), thunfisch-avocado-tatar mit getoastetem toskanabrot eher auf der kontemporären (€ 10,90); die rindssuppe mit grossartig bissfesten butternockerln schmeckte super (€3,-), die suppenwertung ging aber trotzdem an die karotten-ingwer-suppe mit kokosmilch und reichlich zitronengras (€ 3,-); wienerschnitzel vom kalb war guter standard, der erdapfelsalat dazu eher mau (€ 13,50), zitronenhuhn mit ordentlich kapern und rosmarinerdäpfeln aber wirklich fein (8,90).

tolle atmosphäre, guter platz, nettes essen, faire preise, das lokal wird gehen wie die sau, das steht fest. den titel „geilstes marktlokal des jahres" hält es allerdings nur bis genau heute, mittwoch, weil da sperrt haya molchos unglaubliches neni am naschmarkt auf...

resümee:
für ein marktlokal riesig und unerwartet grossartig. der markt kann's brauchen.

[pressetext / florian holzer / der falter]

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