big.jpg

städtebaulich gesehen zeigt sich im jetzt zustand, daß der westlich des murufers gelegene stadtteil mit dem südtirolerplatz im vergleich mit dem gewachsenen altstadtkern des anderen ufers, zwar prominente plätze aufweist, diese jedoch großzügigen freiraum nicht gewähren. der eigentliche bauplatz wird zur freien ebene, zur öffentlichen bühne.diese bietet durch die großflächigen faltungen die möglichkeit, den platz in seinen verschiedenen höhenentwicklungen zu durchwandern. das eiserne haus wird im erdgeschoß aufgeständert, die denkmalgeschützten bereiche bleiben erhalten. der platz setzt sich nun bis an die fußgeherzone mariahilferstraße fort. durch die faltungen der platzoberfläche wird der besucher über zwei schiefe ebenen in die eingangsebene geführt, zum gemeinsamen foyer. diese raumstruktur bietet die möglichkeit, die drei teilbereiche museum - medienzentrum / forum für fotografie -- tiefgarage - zu trennen oder zu verbinden, je nach veranstaltung und tageszeit. veranstaltungsräumlichkeiten und medienzentrum befinden sich unter dem platzniveau, durch verglasung in den faltungen des platzes sowie durch licht- und medienbänder entsteht belichtung und kommunikation zwischen oben und unten.die begehbaren lichtschlitze bzw. auslagen verändern sich im rhytmus der aktivitäten des neuen museums und medienzentrums durch farbe und intensität.

vorgeschlagen wird, ganz graz mit einer zweiten unterirdischen - teils virtuellen, teils realen - ebene zu versehen, deren existenz durch eine reihe von öffnungen, eingängen und installationen bewußt gemacht wird. ganz graz = museum. bestehende unterirdische räume wie ausgrabungen, unterführungen, tiefgaragen und ausstellungsräume werden modifiziert und ebenfalls vernetzt. oft genügt zur visualisierung nur eine veränderung der lichtfarbe, wie zum beispiel bei der inszenierung des flußufers, das auch als teil dieses philosophischen projekts gesehen werden kann.
spätere bauten, zum beispiel aktionsräume werden in das konzept integriert. das größte dieser elemente ist die unterirdische verteilerebene des neuen museums selbst, mit der medienscheibe als aus der tiefe hervorgebrochener anzeiger. dieser lichtkörper mit seiner inneren flexibilität begrenzt den neu entstandenen platz zum lendkai hin und schafft einen öffentlichen aktionsraum. als eigentliche fassade des museums ist sie vom monolithischen ausstellungsbereich weggerückt.

skizze.jpg

das spannungsfeld, geschaffen durch die konträren raumstrukturen, findet in den gegensätzlichen materialien STEIN_EWIGKEIT_MUSEUM - GLAS_VERÄNDERUNG_MEDIEN sein gleichgewicht. das museum, vom platz nicht direkt begehbar, ruht in seinem monolithischen volumen als steinerner körper am böschungsufer. der kunst wird somit ihr eigenständiger platz zugewiesen, ihr wirkungsraum ist ausschließlich von innen (- unterirdisch) zu betreten. die lichtöffnungen sind so gesetzt, daß dem besucher ausblicke ausschließlich auf fluß oder himmel gewährt werden - die innere struktur hat somit ihr eigenes orientierungsschema, ihre eigene umwelt, die den besucher von der aussenwelt - der stadt - entrückt, bis er am ende des raumkontinuums an ein "stadtfenster" tritt, das einen landschaftsausschnitt wie ein bild rahmt. die anlieferung des museums erfolgt ebenerdig. in einer klimaschleuse werden lkw be- und entladen. zwei lastenlifte, jeweils im schnittpunkt der baukörper, verbinden das unter niveau liegende lager mit den ausstellungsflächen. das museum ignoriert die bei öffentlichen gebäuden herkömmliche zusammengehörigkeit zwischen fassade und innenraum. in diesem fall zerlegt sich der komplex in zwei teile: in eine kommunikative schnittstelle zur öffentlichkeit und dem ausstellungsraum selbst. verbunden sind beide teile durch röhren, leitungen und gänge. während der gläserne körper auf maximale öffentlichkeit und kommunikation ausgelegt ist, gleichsam als schaufenster, projektionsfläche, aktionsraum und anzeiger, kann der monolithische ausstellungsbereich unabhängig von begrenzenden flächen und städtebaulichen aufgaben seine skulpturale wirkung erfüllen. es gibt keinen gestalterischen unterschied zwischen boden, wand und decke, weder aussen noch innen. auch gegliederte fassaden mit fenstern und eingängen finden sich nicht. die ausstellungsfläche besteht aus einem raumkontinuum mit rechtwinkeligem querschnitt, das zu einem dreidimensionalen bündel geknickt wurde, um die gesamtlänge auf dem bauplatz unterzubringen. das raumkontinuum verjüngt oder öffnet sich kontinuierlich und kann an jeder beliebigen stelle abgeteilt werden, somit sind unterschiedlichste raumproportionen realisierbar. das begehen des museums ist mit dem wandern in freier natur vergleichbar: es gibt rampen, abkürzungen, durchblicke, schluchten, verschneidungen. aus der geometrie gibt sich eine vorgezeichnete wegführung durch die ausstellung, einzelne schleifen lassen sich sperren und wegschalten.

balken.jpg
modell2.jpg
plan_big.jpg
ansicht.jpg