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Familie G. wohnte ursprünglich in der Nähe des archiguards Büros und hatte eine besonders delikate Aufgabe für uns: das Elternhaus im noblen 18. Bezirk sollte so adaptiert und erweitert werden, das einerseits in Zukunft die Familie mit den beiden Kindern als auch die Grossmutter weiterhin dort unter einem Dach wohnen können. Eine sensible Aufgabe, einerseits durch die familiäre Situation und Vorgeschichte eines Hauses, das von der Stuckfassade und einer hölzernen Veranda bis hin zu Sanierungen alle Stadien durchlaufen hatte, und sich nicht mehr in seiner Glanzzeit befand, andererseits durch den Anspruch, künftig 3 Generationen unter ein Dach zu bringen. Gewachsene und gewohnte Strukturen zu zerstören und neu aufzubauen, erfordert viel Vertrauen des Bauherrns auf diese Sensibilität. 
Das beste aus zwei Welten, die Würde bzw. Noblesse des Altbaus mit der Funktionalität und Leichtigkeit eines Neubaus zu kombinieren, warWunsch und Ziel. Vor allem die Gartenfassade dümpelte sich als kahler, eingeschossiger Bau ohne Zugang zum Garten vor sich hin, hier war Handlungsbedarf, während die dreigeschossige Strassenfassade nur komplettiert wurde, um ohne Anbiederung die alte Eleganz dieser Front wieder herzustellen. Der Dachstuhl wurde gartenseitig entfernt und ein neuer Bauteil „landete“ auf dem Sockelgeschoss. Um diese Zusammenführung sichtbar zu lassen, sind alter und neuer Baukörper zueinander verschoben, durch eine zarte Fuge getrennt und mit unterschiedlichen Grauwerten versehen.

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Der neue Baukörper bildet im Inneren einen neuen zentralen Erschliessungsraum, der in archiguards Philosophie einen erfrischenden Gegenpol zu den renovierten klassischen Salons im Erdgeschoss bieten soll. Unten klassische Proportion, Parkett und Flügeltüren, oben familiäre sonnendurchflutete Raumflucht, die verschiedene Funktionen ineinander fliessen lässt. Ein ausgeklügeltes Vorhangsystem regelt Ein- und Ausblicke der süd-west gerichteten Verglasung, Räume lassen sich damit abbilden oder verbinden. Das Parapet beherbergt Stauraum, Verkabelung und Heizung, nicht zuletzt auch eine geheimnisvolle Unterleuchtung der Stoffbahnen. Die Türen in die privaten Zimmer der Familienmitglieder auf der Altbauseite sind bündig ausgeführt es steht jedem frei, sich durch Öffnung am Geschehen zu beteiligen, oder zurückzuziehen. Auch das Büro des Hausherrn lässt sich über eine Schiebetür zu einem Gästezimmer abtrennen.

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Im Erdgeschoss wurde durch das Herauslösen von Wandscheiben ein grosszüger Koch-Ess Bereich geschaffen, dem zentralen Bereich jeder Familie. Die Öffnungen zum Garten wurden erweitert, unter dem neuen auskragenden Obergeschoss entstand ein Wintergarten. Derart findet die Familie verschiedenste Atmosphären im Haus vor, deren Funktionen nicht unmittelbar festgelegt sind, aber sich sehr wohl für verschiedenste Tätigkeiten eignen. Zentrale Idee ist die Zurverfügungstellung dieser Atmosphären, die je nach Gefühlsstimmung und Tageszeit, je nach Aufgabe und Ereignis eine Bühne bildet für die tägliche Inszenierung des Themas Familie.

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archiguards Kunden werden meist über Mundpropaganda vermittelt und empfohlen; hier lief es ein wenig anders: Die Familie hatte Zugriff auf alle Beiträge der Sendung „Lebensträume“ und sich somit einen Überblick über potentielle Architekten erarbeitet. Da das eigene Projekt eine intensive Auseinandersetzung mit alter Substanz verlangte, war auch das Projekt B. aufgefallen, wo archiguards bereits einenWaschbetonbau aus den 70-er Jahren „behandelte“. Familie B. war darüber hinaus noch sehr auskunftsfreudig, im besten Sinne einer alten archiguards Philosophie: „zufriedene Kunden werden unsere besten Verkäufer“.

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