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Ein erster Entwurf wird durch die drei Meter Abstandsregel zu Fall gebracht, obwohl der Windfang, auf dem das gläserne Treppenhaus sitzen soll, Bestand ist. Der zweite Entwurf scheitert an der Ortsbildkommission, die den Vorbau nicht über die Dachfläche reichen läßt. Innerhalb einer Tiefe von 1 Meter 10 und begrenzt auf die Fläche der Giebelmauer passiert nun der gesamte äußere architektonische Eingriff. Die einläufige Stiege wird in der Folge genau zwischen Esszimmer und und der Mitte des Dachbodens Platz finden, um diese Bedingungen erfüllen zu können. Eine funktionell und formal überzeugende Umhüllung kann erst nach zahlreichen Modellversuchen gefunden werden. Eine weiße Scheibe, die vor der Fassade schwebt, begrenzt die Stiege, die oben und unten jeweils als Balkon ausläuft, wie eine unendlich gedachte Linie. Die Größe der Scheibe und ihre achsenversetzte Aufhängung folgen der gleichen Idee: die Flächen, die das Haus "passieren" sind nur zufällig auf das Haus zugeschnitten, in "Wirklichkeit" aber größer. Der Windfang mit seiner wertvollen bestehenden Grenzüberschreitung wird skelettiert und verglast. Eine neue Terrasse aus Holz und der puristische Kieshof bilden neue Lebensbereiche im Aussenbereich. Ein drei mal drei Meter großes Massivholz wird per Motorsäge und Handschliff zum Boomerang, der fortan als Geländer dient.

Im Grundriß des Hauptgeschosses auf Gartenebene werden zusätzliche Öffnungen mit raumhohen Schiebetüren flexible Raumeinteilung und großzügiges Raumgefühl vereinen. Formale Neuinterpretation der bestehenden Stiege unter Verwendung der bestehenden Konstruktion: Das horizontale Mahagonigeländer wird durch ein mehrfach gefaltetes Gipskartonband ersetzt, Glasebenen und die neue Schnittproportion übernehmen den Absturzschutz. Die Errichtung einer Stützmauer ermöglicht den Gewinn eines "Zimmers im Freien", ein kleiner Hof, japanisch inspiriert, als Zwilling des neu "ausgegrabenen" Arbeitszimmers. Der Weinkeller als Schatzkammer wird durch eine schwere Eisentür verschlossen, die auf Knopfdruck vom Büro des Hausherrn aus auf die Seite gleitet

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Ein erstes Projekt für die Familie, ein Glaszubau an ein Gartenstadthaus in Maria Enzersdorf wird durch den Ankauf einer Doppelhaushälfte in Hinterbrühl hinfällig: ein Haus aus Waschbetonplatten, 70 er Jahre. Beim ersten Besichtigungstermin entsteht der Verdacht, die falsche Adresse erwischt zu haben, innere Raumqualitäten heben trotz Spannteppich und Korktapeten die Stimmung. Mehr Licht, Erschließung und Ausbau des Dachbodens, ein Kellerzimmer soll Büro werden, so lautet der Aufgabenkatalog. Insgesamt 8 gleichartige Doppelhäuser gibt es in der Anlage, Veränderungen fallen somit auf. Der Entwurfsprozeß wird vor allem durch einen Gedanken geprägt: Eine exakte Trennlinie zwischen Alt und Neu; der Zubau öffnet das bestehende Haus auf einer Seite und bedient es mit Zusatzfunktionen wie Erschließung, Aussenbereichen, Sonnenschutz.